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mein Herrchen und ich

Hallo, mein Name ist Aishà. Ich bin Sibirien-Huskey und Malamute, ein richtiges Nordlicht, mit allem was uns nordischen Hunden nachgesagt wird, meint Oliver mein Rudelführer. Wahrscheinlich meint er es wegen meines klaren Charakters. Er sagt, dass ich etwas dickköpfig, eigen und sehr selbstsicher bin, vor allem wenn es nicht so läuft wie er es gerne möchte.

Seit Sommer 1998 leben wir zusammen, und Oliver wird immer besser in der Kommunikation mit mir. Er schreit fast nicht mehr (tut bei meinen Frequenzwahrnehmungen auch weh und machte mich ziemlich durcheinander), seine Gestiken sind mir verständlich, wenn er was von mir will und die damit konditionierten Wörter auch. Er hat halt etwas länger gebraucht, dass er jetzt auch Leckerlis mit sich trägt, motiviert mich mitzumachen. Er verdient ja auch Geld, warum soll ich für nichts arbeiten.

Aufgewachsen bin ich in einem Zwinger und musste sehr früh meine Geschwister und mein zu Hause verlassen. Bei der ersten Familie gab es ständig auf die Mütze und die Kinder haben mich auch geärgert. Zu guter Letzt sollte ich eine Ausbildung zum Wachhund durchlaufen, die damit endete, dass ich zum nächsten Mensch kam und dort  bis auf Weiteres geparkt wurde. Stattdessen kam ein Schäferhund, der alles über sich ergehen ließ und dafür bleiben durfte. Ich lebte bei dem neuen Menschen in den Tag hinein und war frei. Morgens durfte ich gehen und abends wenn der Napf gefüllt war, kam ich pünktlich zurück. Frei sein ist toll, stundenlang spazieren gehen, jagen oder draußen im Freien schlafen. Nachts durfte ich in das Bett zum Kuscheln und genoss mein Leben.

Bis im Sommer der Oliver kam und mich mitnahm, als fast Erwachsene mit 17 Monaten schwante mir schon die Veränderung, als der Neue kam. Kaum bei ihm, wollte er Gassi gehen - oh Hundegott, an der Leine!?! So fing es an, das Nächste war Wiederkommen, wenn er mich rief. Interessierte mich im Grunde überhaupt nicht, und er tobte und schrie des öfteren. Niedlich. Mit meinem Freiheitsdrang und meiner Eigenständigkeit muß ich ihn aus dem Gleichgewicht gebracht haben, denn es kam ein Mensch und der nannte sich Trainer. Das schönste was der sagte war: Mein alter Huskey ist wie die da gewesen, ich habe ihn geliebt, war aber froh als er gestorben ist und ich einen Hund zum Abrichten kaufen konnte. Mein Herrchen wurde nach diesem Besuch ziemlich still und nachdenklich. Er kaufte sich Bücher und hat ziemlich viel gelesen. Auf jeden Fall änderte sich viel, er kaufte ein Fahrrad mit einem Springer, an dem ich herrlich laufen und rennen konnte und spielte viel mit mir. Spielen ist eine gute Möglichkeit sich kennen zu lernen. Nur mit dem Freigang ist das so eine Sache gewesen, die Leine wurde zwar immer länger, aber irgenwie hatte Oliver Probleme mit meiner Lust am Jagen. Ich finde Mäuse, Hasen, Stallhasen, Miniponies und Enten sehr delikat, er hatte anscheinend kein Verständnis dafür. Ein Mal musste ich im Tierheim drei Tage warten, bis ich unser Auto wieder gehört habe. Heute weiß ich, das hat er absichtlich gemacht! Obwohl ich im Wald wieder an die Stelle zurückgekommen bin, wo ich ihn verloren hatte, er ist halt schon etwas langsamer als ich und Uhren verstehe ich nicht. Ich habe stundenlang geheult, bis nette Menschen kamen und sich meiner annahmen. Auch viele Menschen in grünen Anzügen habe ich in dieser Zeit kennen gelernt. Oliver war immer etwas stinkig als er mich von hier oder auch dort abgeholt hat, das rieche ich schon auf Entfernung (meine Nase nimmt z.B. eure Krankheiten war, wenn ihr noch  gar nicht wisst das ihr krank werdet). Daraufhin machte er noch mehr Spiele mit mir, ich glaube, er dachte ich vergesse es, wie schön jagen ist. Eines Tages nach einem meiner Ausflüge hat er mir Geschichten vom Hundemetzger erzählt, fand ich nicht so toll. Aber er hatte auch an diesem Tag einen Kontakt zu mir aufgenommen der anders als sonst war. Ohne seine merkwürdige Sprache und Gebärden können wir uns seit dem austauschen. Er erzählte mir von Menschen, die mich töten werden wenn ich weiter jage und dass wir in Zukunft nur noch mit Leine in den Wald gehen. Wenn er mit mir spricht, kann ich seine Gedanken fast verstehen.  Nur manches Mal juckt es mich halt wieder .... 

Jahre später sind wir zu einen Menschen in weißer Kleidung gegangen, der Oliver über meine Hüfte etwas sagte, die meinem Besitzer die Farbe aus dem Gesicht genommen hat. Ich verstand nur, dass meine Hüfte nicht in Ordnung ist und ich deshalb keine Lust mehr am Laufen habe. Oliver war sehr traurig und ich spürte seine Angst um mich. Wieder viele Bücher. Mails und Computersitzereien. Bis wir zu einem anderen Menschen mit weißer Kleidung fuhren. Seitdem habe ich nur noch Schmerzen, wenn ich zu toll spielen will mit anderen Hunden. Oliver hat mir von Goldimplantaten in meinem Körper erzählt, verstehe ich aber überhaupt nicht. Mir geht es besser, und dann gehen wir auch noch zu Julia, da gehe ich auf ein Laufband im Wasser und bekomme viele Leckerli. Bis auf meine Athrosen geht es mir jetzt gut. Manchmal kommen so seltsame Würmer an mich und die nehmen mir auch dieses Zipperlein ein wenig, demnächst bekomme ich am Vorderlauf ein paar Goldimplantate. Oliver sagt, das hilft - bis jetzt lag er meistens richtig. Auch die ganzen Pülverchen in meinem Futternapf scheinen mir gut zu tun. Meinen Darm sarniert er auch, weil ich schon drei Narkosen und Operationen hatte, meint er, und eine Sandra hilft ihm dabei. Seit Jahren bekomme ich ausschließlich Fleisch von ehemals glücklichen Tieren, da Herrchen Massentierhaltung und deren Fütterungsmethoden sowie Abfall im Tierfutter ablehnt. Ehemals glücklich bedeutet biologische Aufzucht und Verantwortung gegenüber Tieren, sagt er. Es schmeckt mir und das ist das Beste. 

Heute lässt er mich oft einfach so wie ich bin, und das tut mir gut. Ich bin jetzt eine alte Hündin von vierzehn Jahren, höre nicht mehr so gut, schlafe viel, erschrecke oft wenn mich jemand anspricht, das Rheuma und die Arthrosen plagen mich oft, aber immer  noch lebensfroh. Wenn Oliver mir seine Gedanken sendet, spüre ich, dass er auf mich aufpasst und mich liebt.

Leider mußte ich meine geliebte Hündin am 22.Juni 2010 einschläfern lassen. Mit Dank blicke ich auf fast 13 Jahre zurück, in denen ich hoffentlich viel von Aisha`gelernt habe.  

 

Ein sehr schönes Sprichwort von einer Ausbilderin ist: Wer bewegt wen? oder auch: Wer bewegt, der führt! (Perditta Lübbe).

   

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